Meister Radolfzell und Vizemeister Bocholt in der Favoritenrolle

10.02.2014 um 17:04

Am 13. Mai startet die 1. Damen-Bundesliga in die neue Saison. Kurz vor Meldeschluss erreichte die Liga die Hiobsbotschaft, dass mit dem TC Benrath ein Traditionsclub seine Mannschaft aus wirtschaftlichen Gründen zurückzieht, der die Eliteliga in den letzten Jahren mit sechs deutschen Meistertiteln und fünf Vizemeisterschaften entscheidend geprägt hat. Dieser Rückzug so kurz vor Saisonbeginn ist natürlich ein herber Rückschlag für die gesamte Bundesliga, der nicht einfach zu kompensieren ist und von der gesamten Bundesliga sehr bedauert wird. Somit spielen wie im Vorjahr sieben Mannschaften in der Bundesliga.

Zum Stichtag der Mannschaftsmeldung standen 18 Damen aus den Top 100 der Weltrangliste auf den Meldebögen der Clubs. Von den vier deutschen Top 100 Spielerinnen spielen mit Angelique Kerber (Radolfzell) und Kristina Barrois (TEC Waldau Stuttgart) zwei Damen in der ersten Bundesliga. Die FED-Cup Spielerinnen Andrea Petkovic und Julia Görges spielen für Ratingen in der zweiten Bundesliga.


Mit 6 Spielerinnen aus den ersten Hundert hat der deutsche Vizemeister TC WattExtra Bocholt die an der Spitze stärkste Meldeliste und ist somit ein ernstzunehmender Titelanwärter. Titelverteidiger Radolfzell hat zwar „nur“ drei Damen mit zweistelligem Weltranglistenplatz gemeldet, dafür aber eine sehr ausgeglichene Liste, so dass man davon ausgehen kann, dass das Team vom Bodensee in dieser Saison eine erfolgreiche Titelverteidigung anstrebt. Je drei Topspielerinnen stehen auch beim TEC Waldau Stuttgart und beim TC ZWS Moers am Stichtag auf der Meldeliste, während beim TC Rüppurr Karlsruhe zwei und bei Aufsteiger Wahlstedt eine Dame unter WTA-Platz 100 gemeldet sind. Der zweite Aufsteiger BW Berlin verzichtet ganz auf die Dienste solcher Spitzenspielerinnen. Erfreulich, dass bei Meister Radolfzell mit Angelique Kerber, Tatjana Malek und Kathrin Wörle drei deutsche Spielerinnen unter den ersten Acht der Meldeliste stehen. Neuling Wahlstedt bietet mit Mona Barthel und Anne Schäfer zwei deutsche Spielerinnen im vorderen Bereich der Meldung auf. Nach dem Rückzug von Benrath hat sich der TC Rüppurr Karlsruhe die Dienste von Julia Schruff gesichert und gehört somit mit Waldau Stuttgart (Kristina Barrois) zu den Clubs, bei denen eine deutsche Dame unter den ersten Acht der Mannschaftsmeldung zu finden ist. Die meisten deutschen Spielerinnen aller Erstligavereine haben die Aufsteiger Wahlstedt (9) und Berlin (8) gemeldet, gefolgt von Waldau Stuttgart (6), Rüppurr Karlsruhe (5), Bocholt und Radolfzell (je 4) und Moers mit drei gemeldeten deutschen Damen.

Titelverteidiger Vacono TC Radolfzell verfügt auch in diesem Jahr über eine sehr ausgeglichene Mannschaft. Neben den bereits erwähnten festen deutschen Größen Kerber, Malek und Wörle gehören die Neuzugänge Yaroslava Shvedova (Kazachstan) und Zuzana Kucova (Slowakei) sowie Edina Gallovits Hall (Rumänien), Sybille Bammer (Österreich), Sesil Karatancheva (Bulgarien) und Marta Domachowska (Polen) zum Stammkader des Teams vom Bodensee. Weitere Alternativen sind die Deutsche Sandra Klösel, die Nicht-EU Spielerinnen Tamarine Tanasugarn (Thailand) und Yulia Beygelzimer (Ukraine) sowie die slowakische Doppelspezialistin Janette Husarova und deren Landsfrau Lenka Tvarovskova. Auch in diesem Jahr gilt das Team von Teamchef Norman Bingeser als Meisterschaftskandidat, sofern die Spitzenspielerinnen immer zur Verfügung stehen.

Härtester Konkurrent im Titelkampf ist der TC WattExtra Bocholt. Beim deutschen Vizemeister stehen neben den deutschen Spielerinnen Anna-Lena Grönefeld, Justine Ozga und Vanessa Henke zahlreiche ausländische Weltklassespielerinnen unter Vertrag, mit denen Team-Manager Hartmut Bielefeld um den Titel spielen wird.

Neu im vorderen Bereich des Teams von der holländischen Grenze sind die Spanierin Maria Jose Martinez Sanchez, die aus Benrath gekommene Tschechin Barbora Zahlavova-Strycova und die Französin Alize Cornet. Weiterhin gehören die Tschechinnen Klara Zakopalova und Renata Voracova, Arantxa Parra Santonja (Spanien), Anastasia Yakimova (Weissrussland), Ekaterina Ivanova (Russland) sowie die Holländerinnen Kiki Bertens, Amanda Hopmans und Nicole Thyssen zum Kader dieser Mannschaft.

Der TEC Waldau Stuttgart hat seinen ausgeglichenen Kader mit der Schwedin Sofia Arvidsson und der 20jährigen Rumänin Irina Begu, die im Februar das 100.000 Dollar Turnier in Cali gewann, verstärkt. Deutsches Aushängeschild ist weiterhin Kristina Barrois, die im fünften Jahr für den Stuttgarter Traditionsclub spielt. Zusammen mit Doppelspezialistin Jasmin Wöhr und Korina Perkovic, die 2010 auf der Waldau eine tolle Saison spielte, gehören somit weiterhin drei deutsche Spielerinnen zum Stammkader der Waldau mit den bewährten Spielerinnen Johanna Larsson (Schweden), Kirsten Flipkens (Belgien), Yvonne Meusburger (Österreich), Anne Kremer (Luxemburg), Eleni Daniilidou (Griechenland), Kristina Kucova (Slowakei), Katarzyna Piter (Polen) und Lina Stanciute (Litauen). Zum erweiterten Kader gehören mit Anastasia Wagner, Verena Schmid und Melissa Lutring drei weitere deutsche Spielerinnen. Ziel des TEC ist ein Platz im vorderen Bereich der Liga. Bei gutem Verlauf können die Damen von der Waldau die Titelfavoriten vielleicht etwas ärgern.

Der TC ZWS Moers 08 hat seine Mannschaft gegenüber dem Vorjahr auf einigen Positionen verändert und verfügt über eine in diesem Jahr sehr internationale Mannschaft mit guten Nachwuchsspielerinnen. An der Spitzenposition ist mit Kaia Kanepi (Estland) die am besten platzierte Bundesligaspielerin überhaupt gemeldet (WTA 16). Es folgen Tsvetana Pironkova (Bulgarien), Laura Pous Tio (Spanien), Patricia Mayr Achleitner (Österreich), die Tschechin Eva Birnerova, die beiden Französinnen Olivia Sanchez und Laura Thorpe, die Russin Ekaterina Bychkova, Timea Babos (Ungarn) und die junge Slowakin Michaela Honcova. Eine sehr interessante Neuverpflichtung ist die Belgierin An-Sophie Mestach, die in diesem Jahr das Jugendturnier der Australian Open gewonnen hat und sehr viel Perspektive für die Zukunft hat. Mit der Deutschen Julia Babilon sowie Stanislava Hrozenska (Slowakei) und der Holländerin Michelle Gerards folgen dann drei langjährige Moerser Spielerinnen auf den weiteren Positionen. Die Macher in Moers setzen sowohl international als auch national auf junge Nachwuchsspielerinnen, was die beiden deutschen Talente Anna-Maria Levers und Antonia Lottner am Ende der Meldeliste beweisen. An guten Tagen ist die Moerser Mannschaft durchaus für Überraschungen in der Liga gut.

Auch der TC Rüppurr Karlsruhe hat gegenüber der vergangenen Saison aufgerüstet. Die Damen von Teamchef Markus Schur haben sich neben Julia Schruff mit Magdalena Rybarikova (Slowakei), Masa Zec Peskiric (Slowenien), den beiden Tschechinnen Lucie Hradecka und Vlatka Uhlirova sowie der Rumänin Magda Mihalache verstärkt, die in allen Spielen eingesetzt werden soll. Weiterhin gehören die deutschen Spielerinnen Scarlett Werner und Stefanie Gehrlein sowie Mandy Minella (Luxemburg), Stefanie Vögele (Schweiz), Melanie Klaffner (Österreich) und die Ungarin Reca-Luca Jani zum Stammkader der Badener, die in guter Besetzung viele Teams in der Liga schlagen können.

Die beiden Aufsteiger sind sicherlich eine Bereicherung für die Bundesliga, deren Ziel zunächst einmal der Klassenerhalt ist. Erfreulich, dass mit dem TC 1899 Blau-Weiss Berlin das Team aus der Hauptstadt wieder in der ersten Bundesliga angekommen ist. Mit Katarina Srebotnik (Slowenien) und der Tschechin Kveta Peschke stehen zwei der besten Doppelspielerinnen der Welt in Berlin auf der Liste. Hinzu kommt mit der Polin Klaudia Jans eine weitere Doppelspezialistin. Es ist davon auszugehen, dass mit den Routiniers Vivien Weber und Syna Schreiber zwei deutsche Damen in Berlin gesetzt sind. Auch die Rumänin Agnes Szatmari wird in der Stammbesetzung erwartet. Für die weiteren Positionen stehen mit den Spitzenspielerinnen Nina Bratchikova (Russland), Elitsa Kostova (Bulgarien) und Margit Ruutel (Estland) weitere Ausländerinnen sowie einige deutsche Damen aus dem hinteren Bereich der Meldeliste zur Verfügung, die dieses Team unberechenbar machen.

Auch das Team des TC Rot-Weiß Wahlstedt, hat den Ligaverbleib als Saisonziel angegeben. Mit Mona Barthel, Anne Schäfer und Lydia Steinbach verfügt der Club über drei deutsche Damen, von deren Einsatz auf jeden Fall auszugehen ist. Mit Mara Nowak, Katharina Holert und Julia Paetow stehen drei weitere deutsche Damen unter den ersten Hundert der deutschen Rangliste und können sich berechtigte Hoffnungen auf einen Einsatz in der Bundesliga machen. Angeführt wird das Team von der starken Rumänin Simona Halep. Mit Sandra Martinovic (BIH), einer sehr erfahrenen Mannschaftsspielerin, ist ebenfalls zu rechnen. Ergänzt werden kann das Team aus Schleswig Holstein mit den Rumäninnen Elena Bogdan, Alexandra Cadantu und Andreea Mitu sowie Kathie O´Brien und Katharina Brown aus England, die ganzjährig in Wahlstedt wohnt und trainiert

 Am Ende einer interessanten Saison könnten sich möglicherweise Meisterschaft und Abstieg in direkten Duellen entscheiden, treffen doch in Bocholt der Meister und der Vizemeister des Vorjahres aufeinander, während es in Wahlstedt zum direkten Duell der Aufsteiger kommt. Solche Prognosen sind allerdings bei den ausgeglichenen Mannschaften in der Bundesliga immer schwierig. Auch in dieser Saison ist hoffentlich für Spannung bis zum Schluss gesorgt.

Thomas Bürkle

Sprecher der 1.Damen-Tennisbundesliga


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