Interview mit Mona Barthel

10.02.2014 um 17:04

Interview mit Mona Barthel, geführt von Horst Andresen

Mona Barthel (22) vom deutschen Bundesligameister TC Blau-Weiß WattExtra Bocholt hat in der Vorwoche Platz 27 in der Weltrangliste erklommen. Sie verteidigte in der noch jungen Saison Punkte aus dem Vorjahr und gewann neue dazu – zum Beispiel durch den zweiten Sieg in der Turnierserie des Weltverbandes WTA in Paris, als sie die Weltranglistensiebte Sara Errani (Italien) schlug und nach Hobart/Australien Anfang 2012 ihren zweiten großen Titel feiern durfte. Jetzt geht es über den großen Teich in die USA zu den nächsten Turnieren, zunächst nach Indian Wells ins sonnige Südkalifornien (6. bis 17. März, 5,2 Millionen Dollar Preisgeld). Zwischendurch stand die Profispielerin mit Geburtsort Bad Segeberg und Wohnort Neumünster in Schleswig-Holstein dem WattExtra-Pressedienst für ein Interview zur Verfügung.


 

Frage: Mona Barthel, die neue Bundesligasaison beginnt im Mai und steht somit unmittelbar vor der Tür. 2012 holten Sie mit dem TC BW WattExtra Bocholt ihren ersten Titel. Sind die Erinnerungen noch wach?

Mona Barthel: Auf jeden Fall. Es war ein schönes Erlebnis zu gewinnen und gleichzeitig das optimale Ziel erreicht zu haben. Es war auch für mich die erste deutsche Mannschafts-Meisterschaft. Das ist immer etwas Besonderes. Vor allem bleibt die schöne und herzliche Siegerehrung in Erinnerung und die Freude bei unserem Coach Hartmut Bielefeld. Es sind auch Tränen geflossen und hat sehr viel Spaß gemacht, vor allem nach dem knappen 5:4-Ergebnis am letzten Spieltag gegen M2Beauté Ratingen vor Tausenden von Zuschauern.

Frage: Das war Ihre erste Saison für Bocholt. Aber in der Bundesliga sind Sie schon lange zu Hause?

Mona Barthel: Ich habe bereits mit 13 Jahren in der Bundesliga für den TC Alsterquelle in Schleswig-Holstein gespielt. Ja, das werden schon fast zehn Jahre Bundesliga. Später sind wir mit dem TC Rot-Weiß Wahlstedt, ebenfalls in Schleswig-Holstein, Jahr für Jahr bis in die Erste Liga aufgestiegen und haben im letzten Erstligajahr auch gegen WattExtra Bocholt gespielt. 2011, nach dem Rückzug des Vereins aus der Bundesliga, bin ich nach Bocholt gewechselt.

Frage: Was macht solch einen Teamerfolg aus? Sonst ist Tennis eher ein Individualsport.

Mona Barthel: Der Unterschied ist nicht auf dem Platz, sondern außerhalb sind wir ein Team. Die anderen unterstützen dich an der Seitenlinie, wenn es nicht so gut läuft. Das hat auch im Endspiel gegen Ratingen viel ausgemacht. Du gibst alles, weil das Team gewinnen will.

Frage: Viele Spielerinnen aus der Bocholter Mannschaft touren quer durch die Welt von Turnier zu Turnier. Wird dann auch über die Bundesliga in Bocholt gesprochen?

Mona Barthel: Auf jeden Fall. Man kennt sich und lernt sich näher kennen und trainiert auch zusammen. Das Erlebnis der deutschen Meisterschaft lebt dann immer mal wieder auf.

Frage: Mona Barthel hat am 18. Februar erstmals mit Rang 27 einen Platz in den Top 30 der Weltrangliste erreicht, und damit gehören Sie zur Weltspitze. Turniersiege gab es im Januar 2012 in Hobart/Australien und jüngst in Paris. Wie geht es weiter?

Mona Barthel: Der Start im Vorjahr war extrem gut mit dem Sieg in Hobart. Später lief es nicht so gut, ich fühlte mich etwas kaputt, bin auch einige Male in der ersten Runde ausgeschieden. Dennoch hatte ich gute Matches gegen die Nummer eins Victoria Azarenka oder Agnieszka Radwanska, heute Vierte der Weltrangliste, mit Matchball. Insgesamt war ich nicht unzufrieden.

Frage: Jetzt haben Sie Weltranglistenpunkte aus dem Vorjahr bereits bestätigt und sich noch verbessert. Wohin führt der weitere Weg?

Mona Barthel: Zum Glück hat das Jahr gut angefangen. Ich hatte viele Punkte zu verteidigen. Das hat geklappt. In Hobart stand ich im Finale. In Paris beim Sieg habe ich mit Marion Bartoli und Sara Errani zwei aus den Top ten geschlagen. Vielleicht bin ich in meinem zweiten großen Tour-Jahr etwas erfahrener geworden. Man kennt sich schon aus. Ich schlage jetzt vor allem konstanter auf, und habe eine höhere Erfolgsquote beim ersten Service. Mein Spiel ist kompletter. Und welchen Ball du gerade schlagen kannst, um den Punkt zu machen – das hat auch viel mit Erfahrung zu tun.

Frage: Die Berufung ins Fed-Cup-Nationalteam für das Auftaktspiel der Weltgruppe II in Frankreich, das Deutschland 3:1 gewann, hatten Sie ausgelassen. War das die richtige Entscheidung?

Mona Barthel: Die Absage tut mir nicht leid. Ich brauchte nach Paris etwas Ruhe und hatte auch deshalb die Entscheidung getroffen. Die war auf jeden Fall richtig. Ich habe Teamchefin Barbara Rittner ja nicht für alle Zeiten einen Korb gegeben. Warten wir ab, was im April kommt, wenn das nächste Match ansteht.

Frage: Dann geht es in einem Heimspiel gegen 2012-Finalist Serbien um den Wiederaufstieg in die Erste Liga, die Weltgruppe. Wie schätzen Sie die Chancen des deutschen Teams ein, in dem auch ihre Bocholter Teamkollegin Anna-Lena Grönefeld steht?

Mona Barthel: Es kommt darauf an, ob Jelena Jankovic und Ana Ivanovic, die beide schon Nummer eins der Weltrangliste waren, mitspielen. Wenn ja, wird es sicherlich schwierig. Doch auch wir haben gute Spielerinnen mit Angelique Kerber, Julia Görges oder Sabine Lisicki und gute Chancen, das Match zu gewinnen und wieder aufzusteigen.

Frage: Ihre Teamkollegin Anna-Lena Grönefeld gehört schon seit neun Jahren zum deutschen Fed-Cup-Team. Wie ist Ihre Einschätzung?

Mona Barthel: Anna-Lena hat für die Mannschaft eine besondere Bedeutung, weil sie eine besonders große Erfahrung hat. Sie passt sehr gut ins Team, bringt die Punkte im Doppel und war eine der erfolgreichsten deutschen Spielerin im Einzel mit einem Ranking unter den Top 20 in der Welt.

Frage: Wie ist das Verhältnis der Tennisprofispielerinnen untereinander, wenn Sie durch die Welt touren? Gibt es da auch mal kräftigen Zickenalarm?

Mona Barthel: Eigentlich nicht. Wir verstehen uns untereinander im allgemeinen sehr gut. Natürlich will jede auf dem Platz gewinnen. Aber man ist ja auch viel zusammen, reist häufig gemeinsam zu den jeweiligen Turnieren und sieht sich somit sehr häufig.

Frage: Training, Matches, Hotels. Das ist der Alltag als Profi. Sehen Sie mit Ihrer Mutter Hannelore, mit der Sie unterwegs sind, auch etwas von den Sehenswürdigkeiten der Spielorte und den schönen Winkeln dieser Welt?

Mona Barthel: Man sammelt jede Woche neue Eindrücke. Wir versuchen, sie mit einzubauen und uns etwas anzusehen, wenn spielfrei ist oder man eher herausfliegt aus dem Turnier und bis zum Abflug noch etwas Zeit hat. Wir schauen uns schon mal Musicals an, und auch Manhattan in New York war für uns etwas ganz Besonderes. Langeweile gibt es gleichwohl nicht. Qualifikationen, Turniere, physiotherapeutische Behandlungen, Aktuelles ins Internet stellen, die Anreise zum nächsten Ort organisieren – langweilig wird es nicht.

Frage: Tennisprofis sind zehn bis elf Monate im Jahr unterwegs. Bleibt da noch Zeit für Hobbys?

Mona Barthel: Wenig. Nach Ende der vergangenen Saison habe ich mich zu Hause doch mal an die Nähmaschine von Oma gesetzt und mir zwei Tenniskleider genäht – einfach, um mal etwas anderes zu machen. Angeblich sollen sie nicht so schlecht aussehen. Ich habe sie bei Turnieren auch angezogen – und Paris damit gewonnen.

Frage: Sie sind bisher ohne Trainer auf Tour. Bleibt das so?

Mona Barthel: Ich muss das Gefühl haben, dass mir ein Trainer auch wirklich weiterhilft. Wir arbeiten aber jetzt mit dem Trainerpool von Robert Orlik aus Köln zusammen. Und aus seinem Team hat Jacek Szygowski aus Lübeck mich auch in Paris unterstützt. Das Team betreut auch Annika Beck und Björn Phau, und wir starten alle zusammen in Indian Wells. Mal sehen, wie es danach weitergeht.

Frage: Zurück nach Bocholt zur Bundesliga. Wie schätzen Sie die Chancen ein, dass das Team im Mai/Juni den Titel verteidigen kann?. Der große Favorit M2Beauté Ratingen wird vermutlich wieder alles daransetzen, erstmals Meister zu werden.

Mona Barthel: Natürlich kommt es aufs gesamte Team an. Aber das scheint ja wieder gut aufgestellt zu sein, und deshalb bestehen auch gute Chancen zu gewinnen. Wichtiger noch ist der Zusammenhalt in der Mannschaft. Und der ist wirklich gut. Hartmut Bielefeld kümmert sich super um uns und überlässt nichts dem Zufall.

Mona Barthel: Zur Person

Geburtstag: 11. Juli 1990

Größe: 1,85 Meter

Gewicht: 70 Kilogramm

Spielhand: Rechtshänderin, Rückhand beidhändig

Weltranglistenplatz: 27 (Stand 25. Februar 2013)

WTA-Einzeltitel: zwei (Hobart 2012, Paris 2013)

ITF-Einzeltitel: fünf

ITF-Doppeltitel: einer

Einzelstatistik 2013: 14 gewonnen, vier verloren

Internet: www.mona-barthel.de


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